Heute machten wir unseren ersten Gamedrive. Schon die ganzen letzten Tage fragten wir uns, wie weitläufig die Farm ist und wo ihr Ende verläuft, denn sie erstreckt sich über 8000 ha.
Da die Hummusschicht sehr dünn und die Trockenperiode sehr lang ist, ist auch die Vegetation nicht so ergiebig, dadurch brauchen die Farmer für ihre Tiere deutlich mehr Fläche.
Es soll hier auch Zebras und Gnus geben die wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben.
Auf Krumhuk leben Bergzebras, sie sind etwas kleiner, vergleichbar mit Eseln. Die meisten anderen größeren Tiere haben wir schon bei unseren Spaziergängen gesehen. Springböcke ziehen zahlreich durch die „goldene Aue“, so heisst hier ein Landstrich in dem nicht gejagt wird und mehrere Wasserbecken liegen. Das sorgt dafür, dass sich die Tiere häufig in der Nähe aufhalten. In der Regenzeit (Januar-April) steht hier hohes Gras. Jetzt liegt die „goldene Aue“ gold und rötlich vom Sand und den abgegrasten Stoppeln da. Der einzige Jäger in der „goldenen Aue“ ist der Leopard. Die Gegend in der wir uns befinden hat angeblich die höchste Dichte von Leoparden. Sie sind sehr scheu, sodass selbst die meisten Menschen, die hier wohnen, sie noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Nur die Spuren verraten, dass sie da sind und die Aufnahmen der Nachtkameras. Immer wieder findet man abgenagte Skelette von anderen Tieren.
Weitere Tiere sind Kudus. Die Männchen haben spiralförmig gewundene Hörner, die Weibchen haben haben keine Hörner. Man kann sie gut an ihren grossen Ohren erkennen. Die Kudus können besser Hören als Sehen. Somit kamen wir ihnen auch Näher als den ähnlich grossen Oryx-Antilopen. Die Oryxe haben lange gerade Hörner, die sie auch zu ihrer Verteidigung z.B gegen Löwen einsetzen. Oft haben wir sie im Busch entdeckt. Einmal, als wir auf einer Decke saßen, schrieben und malten, standen sie plötzlich hinter uns und ich kann nicht genau sagen, ob sie oder wir uns mehr erschreckt haben, da wir sie überhaupt nicht kommen hörten.
Des Weiteren sieht man hier auch viele Paviane. Immer wieder sieht man sie in Gruppen,. Manchmal hört man nur ihre bellenden Schreie. Sie sollen nicht gefährlich sein, vor uns sind sie bisher auch scheu davon gelaufen, doch wenn die Trockenzeit zu lang wird können sie auch auf das Gelände mit den Häusern kommen um sich Nahrung zu beschaffen, die in der Steppe immer knapper wird. Auch kam es immer wieder vor, dass sie den Kindern in den Schulen die Pausenbrote stahlen oder Touristen die Autos plünderten.
Florian, der mit uns den Gamedrive machte, erzählte uns, dass die Fam Krumhuk sich mit den Nachbarfarmen darauf geeinigt hat, die Zäune für die Rinderherden niedrig zu halten, sodass die anderen Tiere frei durch das Land ziehen können. Das sorgt dafür das man sich in Dürrezeiten einerseits nicht um die Wildtiere zu kümmern braucht, die sonst Teil der Farm wären und das die Tiere andererseits ihrem normalen Herdenverhalten nachgehen können.
Der Gamedrive startete vor unserer Ferienwohnung. Florian fuhr mit einem alten Toyota vor, der auf seiner Pritsche erhöht zwei Sitzreihen hat mit einem Dach darüber, sodass man, vor der Sonne geschützt, über das Dach des Führerhauses schauen kann und einen guten Rundblick hat. Wir wurden da oben richtig durchgeschüttelt und manchmal haben wir nicht mehr den Sitz unter uns gespürt.
Als Erstes ging es in die goldenen Aue. Auf dem Weg sahen wir immer wieder Windräder die in der Sonne blitzten.
"Krumhuk hat ein Hirten-System“, erzählt uns Florian. Die Hirten ziehen mit den Rindern auf der Farm umher und immer da wo ein Windrad ist, wird permanent Wasser für die Tiere an die Oberfläche gepumt.
Dann fuhren wir Richtung Süden in die Berge. Dort war das Gras noch höher. Florian erzählte uns dass es diesen Sommer (die Jahreszeiten sin hier entgegengesetzt, da wir uns in der Südhemisphäre befinden) nur wenig Regen gab und es nur punktuellen Niederschlag gab und die meisten Teile von Krumhuk nicht genug Regen abbekommen hatten. In den Bergen hat es jedoch mehr geregnet und das Gras steht noch höher, so das wir erahnen können wie idyllisch es hier sein kann.
Wir durchqueren immer wieder ein leeres Flussbett. In dem Flussbett sammelte sich der feine Sand, sodass es jetzt, wo kein Wasser fliesst, ein Sandlauf ist.
Dann geht es hoch in die Berge, die verhältnismäßig klein aussehen, wenn man bedenkt, dass sie auf fast 2000 meter Höhe liegen. Das liegt daran, das Krumhuk schon auf einer Höhe von etwa 1800 meter liegt. Hier in den Bergen soll es Zebras geben. Wir haben einen wunderschönen Ausblick über die ruhende Landschaft.
Manchmal, wenn ich mich so in die Natur vertiefe, habe ich den Eindruck die Berge sind zur Ruhe gekommene „alte Weise“ die sich dem Menschen liebevoll hingeben, sodass er die Natur neu ergreifen darf.
Wir sehen viele Spuren von Zebras, doch selber entdeckten wir sie bisher nicht. Die Sonne geht schon unter und wir machen uns auf den Rückweg. Da erblicken wir plötzlich eines auf einem Bergkamm. Wir bleiben stehen, denn jetzt sehen wir auch noch zwei weitere Zebras am Hang stehen. Und wenig unterhalb auch Kudus. Könnt ihr sie auch entdecken?

Es sind insgesamt sechs Kudus. Die Zebras sehen wirklich hübsch aus, mit ihren stämmigen Hinterbeinen und ihren schwarz - weißen Streifen. Die Zebras sind meistens in grossen Herden unterwegs und können sich nicht so anschleichen wie die Oryxe.
Als wir nun alles gesehen hatten, fahren wir unter einem farbenfrohen Himmel weiter. Auf dem Weg sahen wir noch ein riesiges Strohgebilde in den Bäumen, ein Webervogelnest. Die Webervögel bauen diese großen Nester in Gemeinschaft und bewohnen sie zusammen. Wie eine Art „Vogelhotel“. „Nicht selten“, erzählt uns Florian, „lebt mit ihnen auch eine Schlange zusammen, die sich ab und zu ein Ei nimmt, dafür aber das Nest vor anderen Tieren schützt“. Kurz bevor es dunkel wird kommen wir in unserer Unterkunft auf Krumhuk wieder an.
Vielen Dank lieber Florian für dieses schöne Erlebnis!
